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2 Laura

An der Ampel rückte Laura ihre Bluse zurecht, strich sich über den kurzen Rock und sah prüfend in den Rückspiegel. Die blonden, lockigen Haare hatte sie unter einer braunen Lederhaube vor dem Wind versteckt. Dann spürte sie den Blick von rechts oben. Sie spürte ihn wie einen heißen Strahl von ihrem Busen langsam hinab zu ihren Beinen wandern. Der Mann im Auto neben ihr an der Kreuzung hatte den Blick aller Männer, denen ein optischer Reiz den Verstand raubte. Nur noch das Eine der weiblichen Dreifaltigkeit fokussierte ihn. Seine Augen versuchten eine der beiden Brustwarzen, die sich vielleicht unter der Bluse abzeichneten, ahnungsvoll zu ertasten. Sein starrer Blick schob an den heißen Schenkeln den Rock hinauf, um in den Schoß des Glücks zu tauchen –
Wie hasste sie diese Blicke. Als gäbe es an ihr nicht mehr zu entdecken. Als wäre sie nur Titten und Arsch, dachte sie möglichst ordinär, um sich die ganze Niedrigkeit solcher Blicke nur recht bewusst zu machen. Die Ampel schaltete auf Grün und sie preschte davon. Ließ den stumpf blickenden Taxifahrer stehen. Im Grunde fuhr sie gar nicht so gern im offenen Cabrio. Aber ihr Vater hatte ihr nun mal so ein flottes Gefährt geschenkt und sie wusste, dass es irgendwie angesagt war, schon beim zartesten Sonnenstrahl mit zurückgeklapptem Verdeck durch die Straßen zu fahren.   ...

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michael bernstein   bernstein