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4 Sonja

Es war längst grün, doch der Typ vor ihr in seinem fetten Mercedes starrte sie wie nicht ganz bei Sinnen durch seinen Rückspiegel an, anstatt loszufahren. Sie gab ein paar ärgerliche Zeichen mit der Lichthupe, bis er sich endlich langsam in Bewegung setzte.
Sie hetzte von Krankheit zu Krankheit. Ihr Terminkalender war voll. Aber auch wenn er weniger voll gewesen wäre, würde sie nie genug Zeit haben für jeden Fall. Immer blieb sie zu lang, gab sie der Sehnsucht ihrer pflegebedürftigen Patienten nach Gesellschaft ein wenig länger nach, als sie bezahlt wurde und als es der nächste Termin zugelassen hätte. Solange sie mit ihnen zusammen war, blieb sie ruhig, konzentriert, geduldig. Aber kaum im Auto, begann für sie der Stress. Die Straßen der Stadt waren immer verstopft. Die Ampeln sprangen auf rot, just in dem Moment, in dem sie an die Kreuzung kam. Sie kannte die langsamen Lastwagen zur Genüge, die zu groß waren, um sie gefahrlos zu überholen und in denen immer ortsunkundige Fahrer saßen und die Häuserzeilen nach einer Lieferanschrift absuchten. Es gab kaum eine Straße, in der nicht irgendein Geschäft eine umfangreiche Warensendung in Empfang nehmen musste. Ebenso verging kaum ein Tag, an dem nicht irgendjemand die Wohnung wechselte und ein mehr oder weniger großer Möbelwagen sich auf der Straße breit machte.   ...

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michael bernstein   bernstein