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5 Richard

Eine schöne Frau, die ihn da eben so freundlich angelächelt hatte, als er sich langsam in seinem breiten Wagen vom stockenden Verkehr an ihr vorbeischieben ließ. Aber plötzlich war das Lächeln durch ihn hindurch gegangen und hatte in irgendeiner träumerischen Ferne etwas gefunden, das nicht mehr so sehr viel mit ihm zu tun hatte, so dass er das verführerische Leuchten in ihrem Gesicht nicht erwidern konnte. Eine schöne Frau in einem hässlichen Auto. Doch in seiner Erinnerung blieb nur das Schöne dieser flüchtigen Begegnung. Denn er war es gewohnt, das Schöne in der Welt zu sehen. Und zu verkaufen. Das war ganz offensichtlich sein Talent. Er brauchte es nicht zu verbergen, denn die guten Gaben, die man aus Gott weiß welchen Gründen hatte, kamen erst dann zu ihrem Recht, wenn man sie sichtbar machte, sie also gewinnbringend einsetzte. Das war so einfach. Sein Cadillac bewegte sich weich und mit der eigenen Trägheit großer Limousinen über den Asphalt. Was da vorn unter der riesigen Motorhaube arbeitete, stampfte und über gut geölte ineinandergreifende Metallteile sein Fortkommen sicherte, davon spürte er so gut wie nichts. Es gab keine lästigen Geräusche, die von der Anstrengung erzählten, die nötig war, um ihn zum Besichtigungstermin zu bringen. Lautlos strömte das Benzin in den Motor, angesogen von einer Pumpe und eingespritzt zu wohldosierten Explosionen, die Zylinder und Kolben in Bewegung setzten, Zahnräder und Riemen antrieben, den Rädern ihre rigorose Kraft mitteilten und sich im gereinigten Gas als gelegentlich weißes Wölkchen durch den Auspuff wieder verflüchtigten.   ...

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michael bernstein   bernstein