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6 Theresa

Sie fand ihn albern, diesen roten Straßenkreuzer, der da so selbstgefällig an der Kreuzung wartete. Imponiergehabe. Wahrscheinlich einer, der dort, wo es darauf ankam, nicht viel zu bieten hatte. Der sein Ego mit so einem Schlitten aufblasen musste, bis es schier platzte. Sie hielt neben ihm an der Kreuzung und sah den feuchten, lüsternen Blick aus den kleinen Augen. Sich selbst meinende Lust, in der sie nur die Funktion eines Stimulans haben würde. Solche Männer widerten sie an. Wenn er wenigstens gut ausgesehen hätte, dann hätte sie sich seinen Blick vielleicht ein wenig gefallen lassen. Sie suchte in ihrem Kopf nach Beschreibungen, die etwas von der unattraktiven Banalität, der Gewöhnlichkeit des Gesichts beschreiben könnten. Warum sah er nicht gut aus, dieser Mann, der nichts Abstoßendes oder Entstelltes in seinem Gesicht hatte? Es war egal. Was sollte sie sich mit Leuten beschäftigen, die sie nicht interessierten. Ihr Leben bot genügend Ungereimtheiten, über die sie sich viel eher klar werden sollte. Aber was nützte es. Es kam ja sowieso alles so, wie es kommen sollte. Sie brauchte nur abzuwarten bzw. weiter zu fahren. Sie startete schnell, als die Ampel auf Grün sprang, und ließ den mit seiner fragwürdigen Potenz protzenden Cadillac hinter sich.
Auf der Straße war alles einfach.   ...

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michael bernstein   bernstein